Vier Bremer Schachsenioren reisten jüngst für eine Woche ins beschauliche Templin (Brandenburg), um sich dort im Wettstreit mit den anderen Bundesländern um den Titel eines Deutschen Seniorenmannschaftsmeisters der Landesverbände zu messen. Im Vorjahr hatten wir einen ausgezeichneten 7. Platz erreicht, die Messlatte lag also hoch.

 

Und wir schlugen uns wacker. In der ersten Runde wurden wir gegen Bayern2 gelost und gingen kampflos in Führung, weil das bayrische Spitzenbrett auf dem Weg nach Brandenburg in der Deutschen Bahn steckengeblieben war. Ich hatte also einen arbeitsfreien Nachmittag und meine drei Kollegen sicherten souverän die Führung ab: 2,5:1,5.

In der zweiten Runde bekamen wir gleich ein absolutes Spitzenteam vorgesetzt. Gegen die Mannschaft von NRW, an Nr.2 gesetzt, waren wir krasser Außenseiter. Aber wir schlugen uns mehr als beachtlich: Klaus Rust-Lux gewann im frühen Mittelspiel einen wichtigen Bauern und verwertete den Vorteil sicher. Reiner Franke und Karsten Ohl erkämpften sich mit den schwarzen Steinen sichere Remisen und nur ich verpatzte am Spitzenbrett gegen den bewundernswerten 85-jährigen Jefim Rotstein eine gute Stellung und musste mich im Endspiel geschlagen geben. Aber mit dem 2:2 war uns eine positive Überraschung gelungen.

In der 3. Runde mussten wir gegen den nächsten schweren Gegner ran. Diesmal gelang Bayern1 die Revanche für die erlittene Erstrundenniederlage ihrer Landsleute. Zwar gelang mir der erste Sieg und Reiner blieb weiter ungeschlagen, aber an den Brettern 3 und 4 waren die Bayern zu stark. Mit 1,5:2,5 kassierten wir die erste Niederlage und rutschten ins Mittelfeld ab.

Dafür bekamen wir in der 4. Runde mit Brandenburg (an Nr. 12 gesetzt) wieder eine etwas leichtere Aufgabe, die wir letztlich souverän lösten. Nach einem sicheren Schwarzremis von Reiner gelang es auch Karsten mit energischem Gegenspiel eine schwIerige Stellung zu halten. Es blieben zwei vorteilhafte Weißpartien. Klaus musste letztlich auch ins Remis einwilligen, aber ich konnte meine Scharte gegen NRW auswetzen und mit einem vollen Zähler im Endspiel den Mannschaftssieg sicherstellen.

In der 5. Runde kamen wir gegen das sehr ausgeglichen besetzte Team von Baden2 zu einem überraschend ungefährdeten 3,5:0,5 Erfolg! Als „alle gut standen“ gab ich meine Partie Remis, kurz darauf profitierte Reiner von einem einzügigen Einsteller seines Gegners, Karsten und Klaus gewannen ebenfalls glatt – plötzlich war das kleinste Bundesland auf dem geteilten 2.-5. Platz, nur einen Zähler hinter dem Spitzenreiter und Titelverteidiger von Baden 1.

Und schon hatten wir die Ehre und das zweifelhafte Vergnügen, gegen dieses top-gesetzte Team gelost zu werden. Leider hatten wir keine Chance – ich musste gegen IM Nekrasov um das Remis kämpfen, Reiner verlor eine komplizierte Partie gegen den amtierenden deutschen Seniorenmeister Gerhard Kiefer, Klaus und Karsten mussten sich stundenlang mit schlechteren Stellungen herumplagen und wurden für ihren Kampfgeist doch nicht belohnt. Am Ende hatten die Badener – wie schon die Bayern zuvor - ihr Bundesland mit der 1. Mannschaft rehabilitiert und uns mit 3,5 zu 0,5 geschlagen.

Kurzum, wir gingen gegen Baden1 baden. Also fielen wir auf den 5. Platz zurück und mussten in der Schlussrunde gegen Mecklenburg-Vorpommern ran. Und nochmals gelang uns ein ungefährdeter Sieg! Diesmal waren es Reiner Franke und Karsten Ohl, die uns mit deutlichen Siegen 2:0 in Führung brachten. Da Klaus mittlerweile in Verlustgefahr schwebte und ich in etwas besserer Stellung in Zeitnot geriet, bot ich Remis an, um den Mannschaftssieg sicherzustellen. Mein Gegnerakzeptierte sofort. Auch Klaus konnte seine Stellung halten und wir beendeten das Turnier mit einem verdienten 3:1-Erfolg.

Die beiden Spitzenbegegnungen endeten nach kurzer Zeit mit – für uns - enttäuschenden Punkteteilungen. Zuerst verzichtete das starke NRW-Team gegen Württemberg auf Gewinnversuche, danach sicherte Baden gegen Schleswig-Holstein durch vier schnelle Remis den Turniersieg ab. Nach einer Stunde Spielzeit war der halbe Turniersaal leer.

Immerhin konnten wir dadurch noch Schleswig-Holstein überholen und uns die „Nordmeisterschaft“ sichern (Bremen Platz 4, Schleswig-Holstein auf 6, Hamburg auf 8., Niedersachsen auf 9, Mecklenburg-Vorpommern auf 13). Leider blieb Württemberg durch das „geschenkte“ 2:2 gegen NRW knapp vor uns auf Platz 3. Das Treppchen war tatsächlich in greifbarer Nähe …

Insgesamt schafften wir die beste Platzierung einer Bremer Seniorenauswahl seit langem. Der Teamgeist war hervorragend, alle brachten eine solide und gute Leistung und am Ende konnten wir ein bisschen stolz sein, unser Bundesland so gut vertreten zu haben!

Unsere Einzelergebnisse:
Stephan Buchal 3,5 aus 6 (plus 1 kampfloser Punkt)
Reiner Franke 4,5 aus 7
Klaus-Rust-Lux 3,5 aus 7
Karsten Ohl 3 aus 7

Viele Berichte, Ergebnisse, Partien und Bilder gibt es auf der aktuellen Turnierseite: https://dsenmm.de/

DSenMMdL 2018

Insgesamt war das Turnier wie immer gut organisiert. Bei 65+ waren 16 Mannschaften am Start, hier wurden vor allem die traditionell starken Hessen vermisst. Leider war der 50+-Wettbewerb mit nur 7 Mannschaften etwas dünn besetzt - hoffentlich ändert sich das im nächsten Jahr in Wismar. Vielleicht findet sich dann auch ein Bremer Team im 50+-Wettbewerb? Wo bleibt der Nachwuchs?

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  • Moin moin Team Bremen,
    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu dieser klasse Leistung!
    Nach dem Sieg gegen die Hamburger Vertretung beim "Hansestädter spielen Schach", ist nun wohl endgültig klar wer die Nummer 1 im Norden ist! :-)

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